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Kreis Düren

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Vertrauen ist gut, Misstrauen noch besser

Die Maschen der Telefonbetrüger sind vielseitig, raffiniert und skrupellos. Es gibt hunderte Arten eines Betrugs. Der Enkel-Trick oder auch die Masche des falschen Polizisten waren lange Zeit besonders verbreitet. Doch mittlerweile dominieren im Kreis Düren der Messenger-Betrug und der Schock-Anruf.

Die Kreispolizeibehörde klärt auf

Presseleiter Sascha Dominiczak (l.) und Uwe Fährmann, Leiter des Kriminalkommissariats 2 der Kreisbehörde, kennen die Maschen der Telefonbetrüger und warnen besonders vor dem Messenger-Betrug und Schock-Anruf.

Das Handy piepst. Eine SMS von einer unbekannten Nummer erscheint auf dem Bildschirm. Darin steht zum Beispiel: "Hallo Mama, ich bin's. Ich habe mein Handy verloren, schreibe vom Handy eines Freundes und brauche dringend deine Hilfe". Danach wird die Konversation auf einen Messenger-Dienst verlegt, wobei es sich meist um Whatsapp handelt. Dort wird eine Geldsumme gefordert, die zwischen 1000 und 3000 Euro liegt. Diese soll vom Opfer dann per Online-Überweisung auf ein Konto transferiert werden. Dabei geben die Täter nicht nur deutsche, sondern auch ausländische Konten an und die Geldforderung fällt relativ niedrig aus, um die Hemmschwelle der Opfer gering zu halten. 1000 Euro haben im Zweifel mehr Menschen zur Verfügung, als 10.000 Euro. Wenn die Betrüger schließlich erfolgreich waren und die Summe auf dem Konto ist, lassen sie jedoch noch lange nicht locker: ein zweiter oder sogar dritter Versuch folgt. 

Im Kreis Düren hat es im vergangenen Jahr insgesamt rund 70 vollendete Fälle dieses Messenger-Betrugs gegeben. Heißt: es wurde tatsächlich Geld überwiesen. Der Schaden für das Jahr 2022 beläuft sich auf etwa 210.000 Euro. Uwe Fährmann ist als Leiter des Kriminalkommissariats 2 bei der Kreispolizeibehörde unter anderem für Betrugskriminalität zuständig und erklärt, dass die Zahl der versuchten Fälle sogar noch zwei- bis dreimal höher ist. Dazu kommt außerdem eine hohe Dunkelziffer. "Die Gefahr beim Messenger-Betrug besteht vor allem darin, dass jede Altersklasse zur Zielgruppe gehört. Auch junge Personen fallen auf die Masche herein und hinterfragen die dubiosen Nachrichten nicht", berichtet Uwe Fährmann. Insgesamt werden tausende SMS per Zufallsprinzip verschickt und diese Masche ist aus Sicht der Täter auch noch enorm kostengünstig. Sie müssen nur zwei Dinge tun: die SMS verschicken, was heutzutage häufig kostenlos bzw. im Vertrag enthalten ist und ein Konto generieren, wobei oftmals Daten von Unbeteiligten missbraucht werden. Jeder verlorene Personalausweis kann im schlimmsten Fall für diese Art des Betrugs genutzt werden. Sobald eine Überweisung (die Kriminellen bevorzugen die Echtzeitüberweisung) durchgeführt wurde, wird die Summe am Geldautomaten abgehoben. Dann ist das Geld weg, da Überweisungen sich nur schwer zurückziehen lassen. Wie kann man sich also vor dieser Betrugsmasche schützen? 
Eines ist klar: erstmal sollte niemand, der eine solche SMS erhält, in Panik geraten. Ich komme nicht umhin, mich zu fragen, wer im Jahr 2023 überhaupt noch Handynummern auswendig weiß? Da könnte der Plan der Täter schon durchkreuzt werden. Zudem sollte man die eigentliche Handynummer des Kindes oder der nahestehenden Person, die einem angeblich geschrieben hat, kontaktieren. So kann schnell geklärt werden, ob das Handy tatsächlich verloren gegangen ist. Spätestens bei der Zahlungsaufforderung sollte man misstrauisch werden. Uwe Fährmann weist aber auch noch auf eine Präventivmaßnahme in den Datenschutz-Einstellungen der App hin: "Dort kann die Anzeige des eigenen Profilbildes nur für die eigenen Kontakte freigegeben werden. So haben die Betrüger keine Vorstellung vom Gegenüber und die Konversation gestaltet sich deutlich schwieriger". 

Verbreitet: Der Schock-Anruf

Noch erschreckender und perfider ist der Schock-Anruf, wozu auch teils die Masche des falschen Polizisten zählt. Hier werden primär ältere Menschen zur Zielscheibe. Eine weinerliche und aufgelöste Stimme gibt sich als nahestehende Person des Opfers aus. Uwe Fährmann erzählt, dass er schon von unzähligen Opfern mitgeteilt bekommen habe, dass sie sich zu 100 Prozent sicher waren, dass die besagte Person am Telefon gewesen sei. Klar, das Weinen verzerrt die eigentliche Stimmfarbe. Die Betrüger erlauben sich mit der Emotion der Opfer regelrecht ein Spiel. Im Gespräch wird von dem angeblich Nahestehenden behauptet, dass er eine Person bei einem Unfall verletzt oder gar getötet habe, worauf meist zügig eine Geldforderung folgt. Die Konsequenz für das Ausbleiben der Kaution wäre eine Haftstrafe (oder schlimmeres). Bei der Masche des falschen Polizisten manipulieren die Täter auch die Telefonnummer auf der Anzeige, indem sie die 110 oder eine örtliche Nummer einblenden lassen. Achtung: ein tatsächlicher Anruf von der Polizei würde niemals über die 110 eingehen. Teils werden Hintergrundgeräusche vorgetäuscht und Personen hinzugezogen, die sich als Staatsanwalt oder Richter ausgeben und – natürlich – die Geschichte bestätigen. Der Druck auf das Opfer wird schnell aufgebaut und kontinuierlich gehalten. Das Stresslevel muss oben bleiben, die angerufene Person darf bloß nicht auflegen und wird zur Verschwiegenheit aufgefordert. Durch Schock-Anrufe hat es im Kreisgebiet im vergangenen Jahr eine Schadenssumme von 85.000 Euro gegeben – erst vor einigen Wochen, also schon im aktuellen Jahr, wurde so lange auf eine Seniorin eingeredet, bis sie fast 50.000 Euro Bargeld und Gold im Wert von rund 20.000 Euro übergab. Sascha Dominiczak, Leiter der Pressestelle der Kreispolizeibehörde, fügt hinzu: "Gerade ältere Menschen haben noch einen überaus starken Respekt vor der Polizei, einem Staatsanwalt oder Richter. Einfach aufzulegen kommt für sie oft überhaupt nicht infrage, weil sie sich möglichst regelkonform verhalten wollen. Deswegen liegt hier die Zielgruppe bei Personen mit einem Alter von über 60 Jahren."

Telefonate über Stunden hinweg

Diese Telefonate voller Drohungen können sich über Stunden hinziehen. Den Opfern wird immer mehr Angst gemacht, Trigger werden ausgelöst. Falls vorhanden, werden sogar weitere Telefonleitungen des Opfers blockiert, um dieses komplett zu isolieren. Doch es wird nicht nur nach Bargeld gefragt, auch Schmuck, Gold oder Münzen werden von den Betrügern angenommen – alles ist willkommen. Wenn die Opfer der Kaution zustimmen, wird ein Treffen mit einem Mittelsmann organisiert und es kommt zur Übergabe. Der Betrug ist vollendet und die Opfer, die häufig ihr gesamtes Erspartes für den Lebensabend, die Rente oder als Rücklage für die Enkel verlieren, leiden noch jahrelang unter dem Verlust. Die Betrüger handeln ohne Reue und verletzen unschuldige, hilflose sowie verängstigte Menschen. Jedoch steht das materielle Leid nicht alleine da, denn hinzu kommt das durchdringende Gefühl von Scham. Immer wieder die Frage "Wie konnte ich nur auf die Masche hereinfallen?", die die Opfer nicht loslässt.

"Die Ermittlungen sind extrem aufwendig. Wenn, dann lässt sich der Mittelsmann überführen. Die Tätergruppierungen steuern die Betrüge häufig aus dem Ausland. Aber wir versuchen alles. Auch, wenn wir fast täglich Anzeigen zu mindestens versuchten Fällen erhalten. Prävention und Aufklärung spielen daher eine umso größere Rolle", erklärt Fährmann. Daher der Appell an alle Bürgerinnen und Bürger des Kreises Düren: Auflegen! Die Polizei würde sich niemals Wertsachen oder Bargeld aushändigen lassen oder unter der 110 anrufen. Ohnehin sollte man keine Wertsachen zu Hause lagern und erst recht nicht an Fremde übergeben. Ganz gleich, wie viel Druck ausgeübt und welch schlimme Geschichte vorgegaukelt wird. In diesem Fall gilt: Vertrauen ist gut, Misstrauen noch besser. Außerdem weisen Sascha Dominiczak und Uwe Fährmann darauf hin, dass auch jeder Betrugsversuch bei der Polizei gemeldet werden sollte, um die Ermittlungen nach vorne zu bringen und mögliche Gruppierungen schnell zu erkennen. "Die Menschen dürfen bitte keine Scheu haben, die 110 kann auch für diese Meldungen genutzt und angerufen werden. Jeder einzelne Hinweis kann uns beim Kampf gegen die Betrüger helfen", betont Presseleiter Sascha Dominiczak. Umfangreiche Informationen rund um das Thema Telefonbetrug gibt es unter www.polizei-beratung.de (Öffnet in einem neuen Tab)

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