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Kreis Düren

Erfahrungen weitergeben

Cilly Baum hat sich beim Kreis Düren als Senior-Trainerin ausbilden lassen und möchte ihre Lebenserfahrung teilen

Ehrenamt finden und weitergeben

Wenn Cilly Baum davon erzählt, wie ihre demenzkranke Mutter im Krankenhaus und nicht im heimischen Umfeld des eigenen Zuhauses gestorben ist, dann liegt in ihrer Stimme sehr viel Bedauern, aber gleichzeitig auch eine Entschlossenheit, andere Menschen darüber aufzuklären und zu motivieren, über ihr eigenes  Älterwerden nachzudenken. „Mein Vater, der später auch an Demenz gestorben ist, hatte damals als ihr Ehemann keine Befugnis, sie nach Hause zu holen, denn meine Mutter hatte keine Betreuungsvollmacht. Angehörige können nicht einfach  bestimmen”, sagt sie. Cilly Baum ist 68 Jahre alt und lebt in Nörvenich. Sie
steht mitten im Leben und geht aus Schicksalsschlägen gestärkt hervor, möchte ihre Erfahrungen mit anderen teilen und ihr Wissen weitergeben und aufklären. 

Im Rahmen von EFI „Erfahrungswissen für Initiativen” hat sich Cilly Baum als Senior-Trainerin ausbilden lassen und teilt nun ihre Lebenserfahrungen.

Daher hat sie sich beim Kreis Düren als Senior-Trainerin im Rahmen von EFI „Erfahrungswissen für Initiativen“ ausbilden lassen. Das ist ein Programm des Landes Nordrhein-Westfalen, in kooperativer Zusammenarbeit zwischen der  Kontakt- und Anlaufstelle „Dein Ehrenamt. MITWIRKUNG.“, der Koordinationsstelle „Pro Seniorinnen und Senioren im Kreis Düren“, der Caritas, der Evangelischen Gemeinde und der Stadt Düren. Bei einer Feierstunde während des „Markts der Möglichkeiten” für das Ehrenamt haben sie und weitere Mitstreiterinnen und Mitstreiter ihre EFI-Zertifikate erhalten. Beim Markt der Möglichkeiten haben sich Mitte September viele Vereine, Organisationen und Initiativen aus dem Ehrenamt vorgestellt. Rund 250 Interessierte konnten ins Gespräch kommen oder für sich ein passendendes Ehrenamt finden.

Es war die erste „Messe für das Ehrenamt” dieser Art und wurde durch die feierliche Auszeichnung der EFIs zu einem ganz besonderen Nachmittag. „Wir haben die Qualifikation alle gemeinsam durchlaufen und sind eng zusammengewachsen. Wir sind eine tolle Teilnehmergruppe”, sagt sie. Begleitet wurden sie bei der Qualifikation von der Expertin Lisa Frohn. „Jede und jeder von uns hat etwas für sich mitgenommen und sich geöffnet. Wir sind uns
unseres Alters bewusst und wir haben neue Perspektiven gewonnen”, sagt sie. Der Altersdurchschnitt der Teilnehmenden liegt über 60 Jahre. Amen Hamad (wir berichteten) ist der einzige Teilnehmer, der mit Mitte 30 positiv aus dem Raster fällt. Die „EFIs” haben meist viel Lebenserfahrung und können diese mit anderen teilen. Hier profitieren beide Seiten, denn die älteren Menschen erfahren Wertschätzung, Gemeinschaft und soziale Interaktion. Die andere
Seite lernt neue Perspektiven kennen, erweitert den Horizont und macht sich vielleicht über neue Dinge Gedanken, die vorher nicht präsent waren. In welcher Form die EFIs ihre Lebenserfahrung teilen und einbringen, das können sie sich selbst überlegen. 

Cilly Baum könnte sich vorstellen, in einer Krankenpflegeschule mit Menschen
in Kontakt zu kommen. „Ich möchte ein Sprachrohr für Menschen mit Demenz sein und gleichzeitig auch Angehörige aufklären und ermutigen, rechtzeitig die Vollmachten und andere Angelegenheiten zu klären. Den Anstoß kann ich geben”, sagt sie. Das Ehrenamt sieht sie als wichtige Stütze unserer Gesellschaft. „Es ist nicht mehr wegzudenken, unsere Gemeinschaft würde ohne das Ehrenamt nicht funktionieren. Es darf aber auch nicht für selbstverständlich gehalten und überreizt werden”, mahnt sie. Der Rückhalt und die Unterstützung durch die
Kontakt- und Anlaufstelle sei sehr wichtig. „Die Kooperation mit dem Kreis gibt uns allen Rückendeckung. Dafür bin ich dankbar.” 

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