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Kreis Düren

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„Gestalten heißt, aktiv Lösungen zu suchen”

Dr. Ralf Nolten hat im November sein Amt als Landrat angetreten. Der promovierte Diplom-Agraringenieur war zuvor Landtagsabgeordneter für die CDU und verfügt über einen reichen kommunalpolitischen Erfahrungsschatz. Der 61-Jährige kennt die Region und die Menschen aus vielen persönlichen Begegnungen.

Ziele für den Kreis Düren

Ralf Nolten lebt in Kreuzau-Winden, ist verheiratet und Vater von drei Söhnen. Mit ihm sprachen wir über seine Ziele für den Kreis Düren und die Kreisverwaltung, über Herausforderungen, Motivation und Bürgernähe, aber auch darüber, wie er am besten entspannen kann.

Wie haben Sie sich in Ihrem neuen Amt bislang eingelebt?
Dr. Ralf Nolten: Ich fühle mich sehr gut. Die Themen, die mich hier umgeben, sind mir größtenteils vertraut – vieles kenne ich aus 25 Jahren Kreistag. Man weiß, welche Aufgaben anstehen. Überraschungen gab es daher kaum.

Sie waren lange Landtagsabgeordneter, CDU-Fraktionsvorsitzender im Kreistag und in der Kommunalpolitik in Kreuzau aktiv. Was hat Sie dazu bewegt, für das Amt des Landrats zu kandidieren?
Nolten: Ganz klar: die Gestaltungsmöglichkeiten. Politik macht man, um Dinge zu verändern und Probleme anzugehen. Wer nicht gestalten möchte, sollte aus meiner Sicht keine Politik machen.

Was bedeutet „gestalten“ für Sie konkret?
Nolten: Gestalten heißt, Probleme nicht nur zu erkennen, sondern aktiv Lösungen zu suchen. Dafür braucht es Ideen, aber auch die Bereitschaft, zuzuhören und andere einzubinden. Erfolgreiche Politik entsteht selten allein. Man muss Optionen abwägen, Auswirkungen verstehen und am Ende eine gerechte Lösung finden.

Inwiefern hilft Ihnen da Ihr bisheriger beruflicher Hintergrund?
Nolten: Sehr. Als Landtagsabgeordneter bekommt man Einblicke in nahezu alle Bereiche des Lebens. Man wird mit vielen Themen, Herausforderungen und Problemen konfrontiert – aus Unternehmen, Vereinen oder Kommunen. Aber mir hilft auch mein Hintergrund als Agrarökonom, zum Beispiel bei Fragestellungen für den ländlichen Raum. Das ist eine gute Basis. 

Wie definieren Sie das Amt des Landrates – was ist Ihre Vorstellung davon?
Nolten: Bürgernähe ist für mich zentral. Mir geht es nicht um Leuchtturmprojekte oder sichtbare Prestigeobjekte. Ich schaue eher „von unten“, aus der örtlichen Perspektive, auf die Dinge: Wo liegen die alltäglichen Probleme? Wo kann man verbessern? Viele wichtige Themen, etwa Bevölkerungsschutz oder Wohnungsbau, sind nicht spektakulär, aber entscheidend für die Menschen.

Was genau bedeutet Bürgernähe für Sie?
Nolten: Ansprechbar zu sein – jederzeit und ohne Berührungsängste. Ich möchte offen sein für Gespräche, egal, wann und wo. Menschen können sich trauen, mich anzusprechen. Eine meiner schönsten Erfahrungen war ein Schützenfest, bei dem ein Schützenbruder mich auf sein verlorenes Bundesverdienstkreuz ansprach. Ich konnte mich darum kümmern und eine Woche später hatte er ein neues – einfach, weil er sich getraut hat.

Welche Prioritäten setzen Sie in der Weiterentwicklung der Kreisverwaltung?
Nolten: Wir haben gute Mitarbeitende. Kompetente und qualifizierte Kräfte werden aber immer knapper. Deshalb müssen wir einen Rahmen schaffen, der sie möglichst entlastet – zum Beispiel von Routinearbeiten, die auch andere Systeme übernehmen können und von unnötigen administrativen Prozessen. Deshalb möchten wir die Digitalisierung weiter ausbauen. Dazu gehört auch der Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Gute Leute sollen an den Aufgaben arbeiten, für die sie unersetzlich sind – und da gibt es eine ganze Menge in den jeweiligen Fachbereichen der Kolleginnen und Kollegen.

Wie wollen Sie die Mitarbeitenden dabei einbinden und motivieren?
Nolten: Vor allem durch direkten Austausch. Ich besuche aktuell alle Ämter. Das darf aber keine einmalige Sache sein. Veränderungen gelingen nur, wenn man miteinander spricht, zuhört und gemeinsame Wege entwickelt.

Welche großen Herausforderungen sehen Sie derzeit für den Kreis Düren?
Nolten: Die wirtschaftliche Entwicklung bereitet mir schon auch Sorge. Wir haben einen hohen Industrieanteil und damit gut bezahlte Arbeitsplätze. Internationale Konflikte oder Energiepreise können wir aber nicht beeinflussen. Unsere Aufgabe muss sein, gute Rahmenbedingungen vor Ort zu schaffen: moderne Berufskollegs, möglichst unkomplizierte Genehmigungsverfahren, verlässliche Planung. Gleichzeitig drücken uns die steigenden Sozialleistungen. Das nimmt uns und den allermeisten anderen Kommunen sehr viele Spielräume.

Was bedeutet das konkret für die Bürgerinnen und Bürger?
Nolten: Vielfach ist nicht bekannt, dass 75 bis 80 Prozent unseres mittlerweile rund 800 Millionen Euro starken Haushalts in Sozialleistungen fließen. Der Kreis finanziert sich über die Kommunen – und wenn deren und unsere Mittel durch Pflichtaufgaben aufgezehrt werden, fehlt Geld für Ehrenamt, Kultur oder Schulen. Das sorgt verständlicherweise für Frust.

Landrat Dr. Ralf Nolten.

Wie könnte man die Kommunen gerechter entlasten?
Nolten: Seit Jahrzehnten diskutieren wir über die sogenannte Verbundquote im Gemeindefinanzierungsgesetz. Das ist der prozentuale Anteil bestimmter Steuereinnahmen, der im Steuerverbund von Bund bzw. Ländern an die Kommunen weitergegeben wird. Es wäre sinnvoll, wenn sie höher wäre, aber realistisch gesehen ist es schwer, das aktuell durchzusetzen. Wir brauchen zumindest mehr Freiräume in der Erfüllung von Pflichtaufgaben – Modellprojekte, die bessere Ergebnisse und gleichzeitig geringere Kosten bringen. Wir müssen Förderprogramme nutzen, um unsere Pflichtaufgaben zu erledigen.

Viele Menschen wünschen sich nachvollziehbare Entscheidungen. Wie möchten Sie Transparenz schaffen?
Nolten: Durch Reden und Erklären. Entscheidungen sind heute komplex, viele Akteure reden mit. Verwaltung hat hier eine Bringschuld, sie muss informieren. Aber die Bürger haben auch eine Holschuld: Wer nie etwas mit Politik zu tun haben will, hat später weniger Verständnis für Entscheidungen, die ihn ganz konkret betreffen.

Wie wichtig ist Sprache dabei?
Nolten: Sehr wichtig. Fachbegriffe schaffen Distanz. Ich bemühe mich um eine einfache, klare Sprache – das gelingt natürlich nicht immer. Aber sie entscheidet darüber, ob Menschen Politik verstehen oder nicht.

Wie können Sie persönlich am besten entspannen?
Nolten: Dazu brauche ich keinen langen Urlaub. Mir reichen ein paar Stunden im Garten. Obstbäume schneiden – das hat für mich etwas sehr Entspannendes. Und ich lasse mich nicht vom Handy jagen. Ich versuche, mir bewusst Pausen von Social Media und ständigen Nachrichten zu gönnen.

Wie definieren Sie Erfolg?
Nolten: Erfolg ist ein gelöstes Problem. Nicht mehr und nicht weniger.

Und was motiviert Sie langfristig?
Nolten: Der Wunsch, einen Beitrag dazu zu leisten, dass das Leben für die Menschen ein bisschen leichter, fairer und gerechter wird. Vielleicht denkt man darüber noch mehr nach, wenn man Kinder hat und – wie ich – bald auch ein Enkelkind. 

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  • Ralph Sondermann