Inhalt anspringen

Kreis Düren

Für eine Ansicht der Seite in Einfacher Sprache, bitte den Button klicken.

Ein Schmuckstück von 1810

Im Archiv des Amtes für Geoinformationen lagern wahre Schätze

Jahrhundertelange Entwicklung

Wer heute eine Karte benötigt, öffnet meist ein Geoportal, nutzt das Navigationsgerät oder lädt
eine Datei herunter. Dass hinter modernen Karten allerdings jahrhundertelange Entwicklung steckt, zeigt ein Blick in das Archiv des Amtes für Geoinformationen und Liegenschaftskataster des Kreises Düren. Dort lagern wahre Schätze regionaler Geschichte - handgezeichnete
Karten, sorgfältig auf Kartonage gemalt und teilweise mehr als 200 Jahre alt.

Die älteste Karte stammt aus dem Jahr 1810 und zeigt Arnoldsweiler. Insgesamt befinden sich im Archiv 131 historische Karten, die älter als 100 Jahre sind. Viele von ihnen wurden einst von den jeweiligen Gemeinden ausgestellt und mit der Hand gezeichnet. Typisch war damals das große Format von etwa 100 mal 70 Zentimetern. Die Karten wurden mit Tusche auf Karton angefertigt
und später bei Veränderungen von Hand ergänzt oder korrigiert - eine aufwendige Arbeit, die viel Präzision verlangte. Heute befinden sich die Originale aus allen 15 Kommunen im Besitz des
Kreises. Das hängt mit der Entwicklung der Katasterverwaltung zusammen: Als die Aufgaben zentralisiert wurden, gingen auch die Kartenbestände an den Kreis über. Dort werden sie bis
heute archiviert und gepflegt.

Wer sich für historische Karten interessiert, kann diese sogar erwerben - beispielsweise
im DIN-A1-Format für 36,50 Euro gemäß Gebührenordnung. Ansprechpartner ist die Katasterauskunft, die telefonisch unter 02421/221062990 oder per E-Mail an geoinfokreis-duerende erreichbar ist. Die Karten erzählen zugleich die Geschichte des Katasters selbst. Nach der französischen Besetzung des Rheinlands diente das Kataster vor allem der
Steuererhebung. Aus dem sogenannten Steuerkataster entwickelte sich mit der Einführung des Grundbuchs um 1900 ein Eigentumskataster und schließlich das heutige Mehrzweckkataster. Die
ersten Urkarten entstanden bereits in französischer und preußischer Zeit - auf ihnen bauen die heutigen Kartenwerke noch immer auf. 

"Im Laufe der Jahrzehnte wurden die Karten immer genauer und detaillierter. Mit der Digitalisierung begann schließlich ein grundlegender Wandel", sagt Daniel Schwellnuss,
stellvertretender Amtsleiter im Amt für Geoinformationen und Liegenschaftskataster.
Eine eingescannte Karte bildete den Anfang des digitalen Katasters. Heute erfolgt
die Bearbeitung vollständig am Computer: Linien werden angeklickt, Daten digital angepasst
und Karten direkt als PDF (Dateiformat) erstellt. Die klassische Papierkarte dient heute häufig nur noch der Veranschaulichung. Und ist eine schöne Erinnerung.

Auch die Themenvielfalt hat sich verändert. Während früher vor allem Grundstücke und Besitzverhältnisse im Mittelpunkt standen, entstehen heute zahlreiche thematische Karten - etwa Natur- und Landschaftspläne, die regelmäßig aktualisiert werden. Zudem werden
immer detailliertere Karten produziert, die ganz unterschiedliche Informationen bündeln.
Der Wandel zeigt sich auch im Arbeitsalltag. "Früher gab es im Kreishaus sogar eine
eigene Zeichenabteilung, in der Karten von Hand gefertigt wurden. Ergänzt wurde diese durch die sogenannte Lichtbildpauserei. Während der Hochzeit waren rund 150 Mitarbeiter im ehemaligen Katasteramt beschäftigt, heute arbeiten noch etwa 50 Menschen im Bereich des
Katasters", sagt Amtsleiter Stefan Schmidt. "Die Zukunft der Geoinformationen ist digital: Geodaten werden zunehmend zum strategischen Fundament moderner Verwaltungsprozesse. Der
konsequente Aufbau digitaler Zweitexemplare für den Kreis Düren ist dabei nicht nur ein
technisches Projekt, sondern eine zentrale Zukunftsaufgabe des Amtes für Geoinformationen
und Liegenschaftskataster."

Die Ausbildung vermittelt zwar weiterhin die Grundlagen der Kartenerstellung, doch die Werkzeuge haben sich verändert: Statt Tusche und Zeichenbrett dominieren heute Computerprogramme und digitale Geodaten. Trotz aller Modernisierung bleibt die Archivarbeit ein wichtiger Bestandteil. Ein Archivar kümmert sich weiterhin um die historischen Bestände. Für Bürgerinnen und Bürger hat die Digitalisierung vor allem Vorteile gebracht. "Früher
musste man persönlich ins Archiv kommen, um Karten einzusehen. Heute sind viele Infos über Geoportale, die Online-Katasterauskunft oder Navigationssysteme zugänglich", so Schwellnuss.

Erläuterungen und Hinweise

Bildnachweise

  • Kreis Düren
  • Kreis Düren