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Kreis Düren

Zurück in den Job – trotz und gerade mit gesundheitlichen Einschränkungen

Es schließt sich keineswegs aus, einen passenden Job zu finden und zugleich mit dauerhaften gesundheitlichen Einschränkungen kämpfen zu müssen. Manches Mal braucht es dabei nur einen kleinen Hinweis, welcher Weg der richtige ist, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen.

Im Jahr 2020 gestartet

Valerie Buchholz, Fallmanagerin mit dem Themenschwerpunkt Gesundheit", ist so eine Hinweis-Geberin. Sie ist Coach bei der job-com des Kreises Düren und kümmert sich intensiv um die Menschen, die Teilnehmer des rehapro-Projektes sind, und somit den Weg zurück ins Arbeitsleben suchen. 

Wir erzählen diese Geschichte im Rahmen der bundesweiten Aktionswoche der kommunalen Jobcenter, die vom 20. bis 26. Juni stattfand. In diesem Zeitraum wurden die Arbeit und Angebote der Jobcenter vorgestellt und der Dialog unter anderem mit Bürgerinnen und Bürgern, Politik und Wirtschaft gefördert. Initiiert wird die Aktionswoche vom Deutschen Landkreistag und dem Deutschen Städtetag.

Das Pilotprojekt rehapro startete im Kreis Düren im Jahr 2020. Es wurde vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales unter der Annahme, dass eine passende und potenzialgerechte Beschäftigung Menschen gesünder macht, ins Leben gerufen. Nun wird es seit rund zwei Jahren im Kreis Düren umgesetzt – in enger Zusammenarbeit mit dem Jobcenter der Städteregion Aachen, dem Jobcenter des Kreises Heinsberg und weiteren wichtigen Netzwerkpartnern. Es richtet sich an Leistungsbezieher, die psychisch und/oder körperlich erkrankt sind oder aber unter einer Suchterkrankung leiden. Ein Coach unterstützt sie bei der Umsetzung ihrer Potenziale, die je nach Klient natürlich völlig individuell ausfallen. 

Valerie Buchholz hat schon 22 Klienten auf ihrem Weg in eine potenzialgerechte Beschäftigung begleitet. "Wir helfen unseren Klienten dabei, herauszufinden, wo die eigenen Stärken liegen", sagt Buchholz. "Es geht um einen ganzheitlichen Blick auf den Klienten und sein Umfeld. Nur so können wir ausmachen, weshalb der Klient vielleicht sogar mehrere Jahre nicht in Beschäftigung war. Und ihm dann dabei helfen, wieder eine passende Beschäftigung zu finden."

Drei Phasen durchlaufen

Wenn dies gelingt, dann ist das "eine tolle Erfolgsgeschichte". Aber auch ein Projekt, "das uns alle emotional mitnimmt". Denn der Weg bis zum Job ist oft kein leichter. Und nicht in jedem Fall führt der Weg auch zum Ziel. Aber meistens. "60 Prozent der Teilnehmer konnten vermittelt werden", sagt Philipp Schönen, Projektkoordination am Standort Düren. Dabei spiele es keine Rolle, welche Art von Erkrankung vorliege, wie alt jemand sei oder welche Fähigkeiten die Person habe. Es hänge vielmehr vom Willen ab, die angebotene Unterstützung im Projekt anzunehmen und die verschiedenen Projektphasen zu durchlaufen. Dazu sind einige Schritte unabdingbar:

Phase 1, im Projekt "Einström" genannt: In dieser Phase lernen Klient und Coach sich kennen, stellen das Integrationspotenzial fest und ermitteln den Unterstützungsbedarf. Nun geht es zunächst um eine erneute medizinische Diagnostik und kurative Betreuung. Dabei unterstützt der medizinische Träger Vialife auf dem Campus Bardenberg, Rhein-Maas-Klinikum GmbH, und in Aachen. Hierbei geht es um die Begutachtung der Klienten, um zu ermitteln, welche medizinischen Maßnahmen noch eingeleitet werden sollten und den Kontakt zu den richtigen Fachärzten herzustellen. Oftmals leiden die Klienten unter chronischen Erkrankungen, worauf die zukünftigen Arbeitsplätze abgestimmt werden müssen, um für beide Seiten gute Bedingungen zu schaffen. 

Phase 2, im Projekt "Durchström" genannt: In dieser Phase geht es um eine praxisnahe Erprobung möglicher Berufsfelder - falls gewünscht. Dabei unterstützen berufliche Träger, beispielsweise die low-tec Düren als gemeinnützige Arbeitsmarktförderungsgesellschaft. Weitere Netzwerkpartner sind die Drogenberatungsstelle der Caritas in Düren sowie der Integrationsfachdienst, der sich vor allem um behinderte oder schwerbehinderte Menschen kümmert, Beratung zum Thema Beantragung eines Grads der Behinderung anbietet und außerdem über Hilfestellungen und Möglichkeiten informieren kann. 

Phase 3, im Projekt "Ausström" genannt: Sind die vorherigen Phasen erfolgreich durchlaufen, kommt es zur Aufnahme einer potenzialgerechten Beschäftigung. In den ersten sechs Monaten nach der Arbeitsaufnahme wird der Klient nach wie vor intensiv vom Coach unterstützt und begleitet. Er hilft beispielsweise dabei, den Arbeitsplatz gemeinsam mit dem Integrationsfachdienst an die Bedürfnisse der Klienten anzupassen, mögliche Konflikte zu lösen und betreut Klienten als auch Arbeitgeber. 

In dieser dritten Phase kommt auch der Arbeitgeberservice des Kreises Düren intensiv ins Spiel, aber auch in Phase 2 ist er schon mit aktiv. Die Kolleginnen und Kollegen helfen dabei, das passende Unternehmen für den Klienten zu finden und den ersten Kontakt herzustellen. Oftmals übernimmt diese Aufgabe Britta Czock-Linden. "Wir fragen die Unternehmen an, ob sie das Projekt kennen und Stellen für unsere Klienten frei haben, versenden die Lebensläufe, halten den Kontakt und bringen beide zusammen", sagt Czock-Linden. Während der Coronapandemie war das natürlich alles nicht ganz leicht, denn die Kontakte liefen in der Regel telefonisch oder per E-Mail ab. Doch mit viel Überzeugungsarbeit sei es in den meisten Fällen gelungen – wenn es auch manches Mal etwas dauerte. 

Der Projektrahmen beläuft sich auf rund ein Jahr, aufgeteilt in ein halbes Jahr Phase 1 und 2 und ein weiteres halbes Jahr für Phase 3. In der Praxis sieht das dann auch schon mal anders aus. "Die Klienten brauchen Geduld, aber auch die Bereitschaft, etwas an ihrer Situation zu ändern", sagt Valerie Buchholz. Sie müssen bereit sein, offen mit ihrer Erkrankung umzugehen und relevante Gesundheitsdaten an die Kooperationspartner weiterzugeben – natürlich wird der Datenschutz hierbei präzise beachtet. "Das Projekt funktioniert auf der Basis von Freiwilligkeit, Veränderungsbereitschaft und Vertrauen", weiß Valerie Buchholz zu berichten. Die individuelle Ausgangslage der Klienten sei häufig sehr komplex. Aber das mache es gerade so spannend. Jeder vermittelte Klient rufe ein unbeschreiblich schönes Gefühl hervor und zeigt, dass es sich keineswegs ausschließt, einen passenden Job zu finden und zugleich mit dauerhaften gesundheitlichen Einschränkungen kämpfen zu müssen.

rehapro – ein Projekt für Arbeitgeber und Arbeitnehmer

Sie sind Arbeitgeber und haben Interesse daran, das rehapro-Projekt besser kennenzulernen oder vielleicht auch Teilnehmer des Projektes einzustellen? Dann wenden Sie sich gerne per E-Mail an: job-com.rehaprokreis-duerende. Für Arbeitgeber gibt es zudem die sogenannte Potenzialprämie, die dabei helfen kann, den Arbeitsplatz auf die Bedürfnisse des Klienten abzustimmen. 

Sie befinden sich derzeit im SGB-II-Leistungsbezug und möchten wieder zurück ins Berufsleben finden? Dann ist rehapro vielleicht genau das Richtige für Sie. Wenden Sie sich am besten direkt an Ihren persönlichen Fallmanager des Kreises Düren. 

Mehr dazu auf:  www.modellvorhaben-rehapro.de (Öffnet in einem neuen Tab)

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